STADTTHEATER KLAGENFURT

Wiederverzauberung der Welt

Seitdem der Opernregisseur Aron Stiehl die Intendanz übernommen hat, erlebt das STADTTHEATER KLAGENFURT einen unvergleichlichen Aufschwung in jeglicher Hinsicht.

Die aktuelle Spielsaison des STADTTHEATER KLAGENFURT ist noch am Laufen.

Die Rezensenten überschlagen sich vor lauter nahezu hymnischer Rezensionen, das Publikum ist höchstbegeistert, die meisten Produktionen sind sehr schnell ausverkauft.

Wie schafft Aron Stiehl das alles? DOLCEVITA.NEWS bat den charismatischen Intendanten um ein erklärendes Interview.

Auf einen Aperitivo mit Aron Stiehl

Ist es in Zeiten wie der aktuellen besonders herausfordernd, potenzielle Besucher und Sponsoren für Kultur zu begeistern?

Für uns nicht. Da das Theater momentan sehr gut läuft und sehr gut angenommen wird, stehen wir im Mittelpunkt der Kärntner Gesellschaft. Derzeit ist fast jede Vorstellung ausverkauft. 20% der Besucher*innen sind unter 27. Die Abozahlen steigen. Und auch viele Sponsoren sind mehr und mehr daran interessiert, mit uns zu arbeiten.

Was macht für Sie persönlich einen perfekten Theater-Abend aus?

Wenn die Menschen vom Theater verzaubert werden und unsere Geschichten, wie wir sie erzählen, die Menschen zu neuem Denken und neuen Horizonten verführen. 

Aron Stiehl Stadttheater Klagenfurt

Fotocredit © Helge Bauer

Fotocredit © Helge Bauer

Worauf legen Sie in puncto der Programmgestaltung den größten Wert?

Das Theater steht für Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Humanismus. Diese Gedanken müssen wir weiter in die Welt tragen. Und wir müssen gegen die Populisten – meistens von rechts – vorgehen,  die mit Hass, Angst und Hetze arbeiten. Theater steht immer dafür, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und ständig über ihre Werte und ihre Zeit nachzudenken. Theater muss eigenständiges Denken fördern, damit man auf die einfachen Wahrheiten einiger Meinungsmacher nicht hereinfällt.

Sind Menschen, für die Kultur einen wichtigen Teil ihres Lebens darstellt, Ihrer Erfahrung nach empathischer im Umgang mit anderen?

Natürlich. Da man ins Gespräch kommt. Da man wieder streiten  lernt – auf Augenhöhe und mit Respekt. Da ist in der Gesellschaft leider viel verloren gegangen. Aber wir haben einen Auftrag und wir arbeiten daran. Erstens: an der Wiederverzauberung der Welt. Zweitens: an einem Miteinander ohne Hass und Spaltung. Drittens: die Menschenrechte wieder in Erinnerung bringen. Alle Menschen sind gleich. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Einem Menschen, das Menschsein abzusprechen oder ihn zu einem Menschen zweiter Klasse zu machen, ist in diskutabel.

,,Theater steht immer dafür, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und ständig über ihre Werte und ihre Zeit nachzudenken."

Was macht das STADTTHEATER KLAGENFURT – im Vergleich zu ähnlichen Häusern – einzigartig?

Die Menschen, die hier arbeiten und unsere Zuschauerinnen und Zuschauer.

Worin liegen die anspruchsvollsten tagtäglichen Herausforderungen in Ihrer Funktion als Intendant?

Dass es viele Menschen ohne Kultur und ohne Interesse an dieser gibt. Zum Beispiel hat Martin Payer, KBV-Vorstand und Politiker, nach einer Niederlage für ihn vor Gericht die Subventionen für das Stadttheater und die Zuzahlungen für den Flughafen direkt miteinander verglichen. Das ist Äpfel mit Birnen vergleichen. Ein überflüssiger Vergleich, der niemandem nutzt. Außer ihm selbst, da er in der Defensive ist. Hier sind wir wieder bei fehlendem Respekt und Diskussion auf Augenhöhe. Aber Populisten wollen ja gar nicht differenzieren oder sind gar nicht an einem Gespräch oder Austausch interessiert. So habe ich Herrn Payer auch geschrieben und um ein Gespräch gebeten –  ich bekam noch nicht einmal eine Antwort. Da frage ich mich schon, wo Kultur und Respekt hingekommen sind. Hier ging es nur um eine billige Neiddebatte. Von sich selbst und seinen Fehlern abzulenken und andere schlecht zu machen. Schade!

Auf welche Produktionen kann sich Ihr Publikum in der laufenden Saison noch ganz besonders freuen?

„Orfeo ed Euridice“, „Die Eingeborenen von Maria Blut“, „Der Liebestrank“, „Wiedersehen. Ein Stück Hoffnung“ und „Hello, Dolly“.