Nadja Kayali

Botschafterin zwischen „fern und nah“

Seit Nadja Kayali 2024 als geschäftsführende Intendantin die Leitung des CARINTHISCHEN SOMMERS übernommen hat, weht ein höchsterfreulicher frischer Wind durch die Kulturlandschaft im Süden Österreichs. Bereits ab 2007 hat sich die studierte Musikwissenschaftlerin und Soziologin eine sehr große bundesweite Popularität erarbeitet, zumal sie regelmäßig außergewöhnlich attraktive Musiksendungen für Radio Ö1 (ORF) gestaltet und moderiert. Außerdem war sie zuvor erfolgreich als Dramaturgin und Regisseurin im Bereich Sprechtheater und Oper im In- und Ausland tätig. Die diesjährige Festival-Saison wurde kürzlich mit einem fulminanten Auftakt eröffnet.

DOLCEVITA.NEWS bat die charismatische Festival-Intendantin „auf einen Aperitivo“.

Fotocredit © Wolfgang Wolak

Auf einen Aperitivo mit Nadja Kayali

Was reizt Sie persönlich besonders daran, die Intendanz eines etablierten Festivals übernommen zu haben?

Schon mein ganzes Leben lang entwickle ich Projekte, versuche Dinge auf den Weg zu bringen, und ich muss zugeben, dass ich auch gerne Verantwortung übernehme und Führungsrollen ausfülle. Daher war es naheliegend, dass der Schritt zu einer Intendanz in meinem Leben irgendwann kommen würde – und glücklicherweise bin ich genau dort gelandet.

Als sehr charismatische Persönlichkeit bringen Sie zweifelsohne einiges an „frischem Schwung“ mit ein. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Mir ist besonders wichtig, Frauen sichtbarer zu machen und Künstlerinnen zu fördern. Da hat unsere Gesellschaft Nachholbedarf, und ich freue mich, dazu einen Beitrag leisten zu können. Außerdem ist mir Gastfreundschaft wichtig. Ich möchte, dass sich unser Publikum bei uns zu Hause fühlt – genauso wie die Künstler:innen.

Ist es in Zeiten wie der aktuellen noch schwerer, finanzielle Unterstützung für Kultur zu erhalten?

Ja, es ist zunehmend herausfordernd. Und letztlich hängt von der Finanzierung auch ab, ob wir unser hohes künstlerisches Niveau in den nächsten Jahren halten können.

Inwieweit ist Musik auch ein wichtiger Bestandteil Ihres privaten Lebens?

Ich höre gerne bewusst Musik, außer wenn ich Radio höre. Dann schaffe ich es auch nebenbei, weil die Moderationen so toll überleiten. Was ich nicht mag, ist die Berieselungsmusik, mit der man in Hotel, Restaurants, ja leider überall beschallt wird. Diese Musik stört oft und ist unnötige Ablenkung. Die Stille zwischendurch ist für unser Ohr und unsere Seele wichtig und ermöglicht uns erst, die schönen live Konzerterlebnisse intensiv wahrzunehmen.

Fotocredit © Marta Gillner

,,Die Stille zwischendurch ist für unser Ohr und unsere Seele wichtig und ermöglicht uns erst, die schönen live Konzerterlebnisse intensiv wahrzunehmen."

Gibt es bestimmte Künstler*innen, die Sie in Zukunft unbedingt für den „Carinthischen Sommer“ engagieren wollen?

Natürlich gibt es Künstler:innen, die immer wiederkommen sollen, weil ich sie sehr schätze. Gleichzeitig gibt es einen Pool an Musiker:innen, die ich im Auge habe. Generell gilt auch hier: Der Fokus liegt auf Künstlerinnen, da sie es im Konzertbetrieb nach wie vor schwerer haben als Männer – obwohl sie mindestens genauso gut sind.

Welches Instrument würden Sie gerne noch erlernen? Und warum?

Ich habe Akkordeon und Saxophon gelernt und dabei viel fürs Leben insgesamt profitiert, denn man braucht Disziplin und Ausdauer, um Fortschritte zu machen. Aber ich hatte nie das Gefühl, Musikerin werden zu wollen und – ehrlich gesagt – möchte ich kein weiteres Instrument lernen, sondern nur noch besser zuhören lernen.

Fotocredit © Marta Gillner

Welcher Moment in Ihrer bisherigen Intendanz hat Sie bis dato am meisten berührt?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn während des Festivals ist man sowieso im emotionalen Ausnahmezustand. Aber wahrscheinlich war es das allererste Konzert mit dem RSO als unser Festivalorchester. Das war für mich ein wirklich erhebender Moment.