MISSCLAIRE

Das Wertvollste ist oft auch das Einfachste

Nahezu jeder, der im Alpen-Adria-Raum lebt, kennt sie: MISSCLAIRE ist zweifelsohne eine der populärsten Influencerinnen Europas. Sie stammt aus Triest und heißt mit bürgerlichem Namen Chiara Marchi. Bereits lange bevor andere beschlossen, sich als Blogger, Influencer & Co zu betätigen, hat sie höchsterfolgreich die zugehörigen Maßstäbe gesetzt.

DOLCEVITA.NEWS bat die charismatische Italienerin „auf einen Aperitivo“.

Fotocredit © MISSCLAIRE

Auf einen Aperitivo mit MISSCLAIRE

Was hat dich dazu motiviert, dein einzigartiges Projekt MISSCLAIRE ins Leben zu rufen?

Ich habe es schon immer geliebt, zu arbeiten. Schon als junges Mädchen wollte ich unabhängig sein und mir meine kleinen Extras leisten können, ohne meiner Familie zur Last zu fallen. Deshalb habe ich viele verschiedene Jobs ausgeübt und dabei Erfahrungen gesammelt, die mir sehr viel beigebracht haben.

Tief in mir gab es jedoch einen beständigen Wunsch: etwas Eigenes aufzubauen. Ich wollte ein eigenständiges Projekt ins Leben rufen, das mir und meinem Sohn Sicherheit bieten würde, auch ohne großes Startkapital.

Im Jahr 2012 habe ich fast aus Spaß eine Facebook-Seite eröffnet und sie „MissClaire“ genannt. Ich heiße Chiara, suchte aber nach einem Namen, der auch im Ausland sofort wiedererkennbar ist: „Chiara“ ist nicht immer leicht auszusprechen, während „Claire“ einen internationaleren Klang hat.

Anfangs veröffentlichte ich einfach das, was mir ins Auge fiel: Orte, Menschen, Geschmäcker, Details. Alles, was ich schön und authentisch fand.

Die Resonanz war überraschend. In etwas mehr als einem Jahr erreichte die Seite 50.000 Follower*innen, und mir wurde klar, dass aus diesem Spiel etwas viel Größeres werden könnte.

Zu einer Zeit, als es in Friaul-Julisch Venetien noch keine Blogger*innen oder Influencer*innen gab, beschloss ich, einen zweisprachigen Blog auf Italienisch und Englisch zu starten. Mein Ziel war es, die Vorzüge Mitteleuropas aus einer persönlichen Perspektive zu schildern: Tourismus, Wein und Gastronomie, Handwerk, Menschen und Geschichten.

Nach einer sorgfältigen Marktanalyse wurde mir klar, dass niemand diese Region über Blogs und soziale Medien beleuchtete. Es war eine neue, innovative Form der Kommunikation, die es ermöglichte, durch persönliche Erfahrungen eine direkte Beziehung zu den Lesern aufzubauen.

Ich habe mich dafür entschieden, über diese Region zu berichten, weil sie meine Identität widerspiegelt. Ich bin in Triest geboren, einer Stadt, die von kulturellen Einflüssen geprägt ist. In meinen Wurzeln vereinen sich Italien, Slowenien, Kroatien und Österreich: Meine Großeltern und Urgroßeltern stammten genau aus diesen Gebieten.

Seit vierzehn Jahren treibe ich dieses Projekt mit derselben Motivation wie zu Beginn voran: etwas Freies, Unabhängiges und Einzigartiges zu schaffen, meinen Followern einen Service zu bieten und dazu beizutragen, eine Region aufzuwerten, die damals der breiten Öffentlichkeit noch wenig bekannt war.

Was ist dir bei diesem Projekt besonders wichtig?

Wenn ich den wichtigsten Wert von MISSCLAIRE mit einem einzigen Wort zusammenfassen müsste, würde ich „Vertrauen“ wählen.

Ich war schon immer davon überzeugt, dass man eine Beziehung zu den Lesern aufbaut, indem man nur über das berichtet, was einem wirklich gefällt. Ich habe nie dem schnellen Geld oder Kooperationen um jeden Preis hinterhergejagt. Ich habe lieber auf Aufträge verzichtet, die nicht zu mir passten, als die im Laufe der Zeit aufgebaute Glaubwürdigkeit zu verraten.

Als unabhängiges Unternehmen habe ich ein wertvolles Privileg: Ich kann auch „Nein“ sagen. Und ich glaube, dass gerade diese Freiheit die Beziehung zu meiner Community gefestigt hat.

Noch heute beantworte ich persönlich die Nachrichten, die ich auf Facebook und Instagram erhalte. Es ist ein täglicher Dialog, den ich als integralen Bestandteil meiner Arbeit betrachte, denn ohne meine Leser würde MISSCLAIRE nicht existieren.

Die andere Säule des Projekts ist die Beständigkeit. Seit vierzehn Jahren berichte ich immer wieder über dieselbe Region und wähle die Unternehmen, Handwerker und Einrichtungen, die ich vorstelle, sorgfältig aus. Ich berichte lieber weniger, dafür aber umso besser.

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,,Für mich ist ,Dolce Vita' nicht mit Luxus oder etwas Materiellem gleichzusetzen. Es ist jener Gemütszustand, in dem sich der Geist endlich leert und man sich leicht fühlt."

Woher kommt dein komödiantisches Talent?

Ich kann nicht genau sagen, woher es kommt.

Vielleicht habe ich – da ich nicht zu den Menschen gehörte, die einen Raum betreten und alle durch ihre Schönheit in Staunen versetzen – früh gelernt, andere Aspekte meiner Persönlichkeit zur Geltung zu bringen.

Ironie und vor allem Selbstironie sind zu meiner Art geworden, in der Welt zu stehen. Ich lache gerne über mich selbst, noch bevor es andere tun, denn ich glaube, dass Selbstironie eine Form von Intelligenz und auch von Freiheit ist.

Schon als Mädchen, wenn jemand fragte: „Wie ist Chiara?“, lautete die Antwort fast immer: „Sie ist sympathisch.“ Und im Grunde war das für mich immer völlig in Ordnung.

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Warum ist Italien ein echtes Vorbild, wenn es darum geht, das Leben zu genießen?

Italien besitzt alles, worum uns die Welt beneidet: eine außergewöhnliche Küche, Landschaften, die von den Dolomiten bis zum Meer reichen, Kunst, Geschichte und eine einzigartige Kultur der Gastfreundschaft.

Aber wenn ich ehrlich sein soll: Im letzten Jahr, das ich zwischen Triest und Pula verbracht habe, habe ich entdeckt, dass die Kroaten ein Verhältnis zur Zeit haben, das ich sehr bewundere.

Ich sehe, dass sie gelassener leben, ohne diese ständige Hektik, die uns Italiener oft auszeichnet. Sie haben einen langsameren, bewussteren Rhythmus, und vielleicht gelingt es ihnen gerade deshalb, die Gegenwart wirklich zu genießen.

Ich glaube, dass „Dolce Vita“ nicht nur davon abhängt, wo man lebt, sondern vor allem davon, wie man beschließt, sein Leben zu leben.

Wie schwierig ist es, bei MISSCLAIRE ein Gleichgewicht zwischen Privat- und Berufsleben zu finden?

Diese Frage hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.

Die Wahrheit ist, dass es für jemanden, der diesen Beruf ausübt, fast keine klare Trennung zwischen Privat- und Berufsleben gibt.

Anfangs wollte ich nur das erzählen, was ich sah. Auf den ersten Fotos des Blogs war ich immer von hinten zu sehen: Ich wollte nicht selbst im Mittelpunkt der Geschichte stehen.

Dann sagte mir ein Branchenprofi einen Satz, den ich nie vergessen habe: „Wenn du diesen Job machen willst, musst du dich zeigen.“

Mit dem Aufkommen der Instagram-Stories hat sich alles verändert. Die Leute wollten nicht mehr nur die Orte sehen: Sie wollten wissen, wer darüber berichtete, wie diese Person lebte, was sie aß und mit wem sie ihre Zeit verbrachte.

Viele Jahre lang habe ich viel aus meinem Privatleben geteilt, weil ich nichts zu verbergen hatte. Aber diese Offenheit bringt auch eine große Verletzlichkeit mit sich. Manche Menschen fühlten sich plötzlich berechtigt, Urteile über mein Privatleben zu fällen oder sogar in meine Privatsphäre einzudringen.

Da habe ich beschlossen, eine klarere Grenze zwischen Chiara und MISSCLAIRE zu ziehen.

Heute teile ich viel weniger aus meinem Privatleben. Manchmal bedaure ich das, denn ich würde gerne auch die menschlichere Seite meines Alltags zeigen und nicht nur als Plattform für berufliche Inhalte wahrgenommen werden. Aber ich habe gelernt, dass der Schutz bestimmter Aspekte des eigenen Lebens eine Möglichkeit ist, weiterhin unbeschwert von sich zu erzählen.

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Wann ist für dich ein „Dolce Vita“-Moment wirklich perfekt? 

Für mich ist „Dolce Vita“ nicht mit Luxus oder etwas Materiellem gleichzusetzen.

Es ist jener Gemütszustand, in dem sich der Geist endlich leert und man sich leicht fühlt.

Das kann bei einem Sonnenuntergang geschehen, bei einem Aperitif mit Freunden, in der Stille neben dem Menschen, den man liebt, oder einfach, wenn man allein ist und dem Rauschen des Meeres lauscht.

„Dolce Vita“ ist für mich ein Gefühl tiefen inneren Wohlbefindens. Und wenn es eintritt, merkt man, dass die wertvollsten Dinge oft auch die einfachsten sind.

Welche Art von Inhalten würdest du gerne veröffentlichen, was bisher aber noch nicht möglich war?

Ich muss sagen, dass ich viel Glück hatte, aber auch sehr entschlossen war. Fast alle beruflichen Träume, die ich hatte, sind wahr geworden und haben oft meine Erwartungen übertroffen.

Ich habe den Preis der kroatischen Tourismusbehörde als bester internationaler Blog über Kroatien erhalten, war Botschafterin für Kärnten, habe Reiseführer verfasst, an nationalen Fernsehsendungen teilgenommen und mit über tausend Einrichtungen zusammengearbeitet, darunter Hotels, Restaurants, Handwerker, Tourismusverbände, öffentliche Verwaltungen und private Unternehmen.

Im Laufe der Zeit wurde meine Arbeit in Abschlussarbeiten, Radio- und Fernsehsendungen zitiert, und ich denke gerne, dass ich als Brücke zwischen Menschen, Regionen und Institutionen fungiert und Verbindungen geschaffen habe, aus denen neue Kooperationen entstanden sind.

Wenn es etwas gibt, das mir noch fehlt, dann ist es eine Anerkennung durch die Stadt, in der ich geboren wurde, und durch meine Region.

Ich spreche nicht von Preisen oder Ehrungen. Ich würde einfach gerne meine Erfahrung in den Dienst von Triest und Friaul-Julisch Venetien stellen, indem ich an Arbeitsgruppen oder laufenden Projekten zur Förderung des Tourismus teilnehme.

In den letzten vierzehn Jahren habe ich Modelle der Regionalförderung in Italien und im Ausland aus nächster Nähe beobachtet. Ich bin überzeugt, dass diese Erfahrung auch meiner Heimat einen nützlichen Einblick bieten könnte.

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Es ist merkwürdig, dass viele meiner Leser*innen überrascht sind, wenn sie erfahren, dass es – obwohl ich aus Triest stamme und mich täglich für die Aufwertung dieser Region einsetze – noch immer keine strukturierte Zusammenarbeit mit meiner Stadt oder der Region gibt.

Gleichzeitig blicke ich auch mit großer Zuneigung auf Österreich, ein Land, mit dem mein beruflicher und persönlicher Weg tief verflochten ist. Botschafterin für Kärnten zu sein, war eine Erfahrung, die mir sehr am Herzen liegt und die es mir ermöglicht hat, von einer außergewöhnlichen Region zu erzählen, der ich auch deshalb verbunden bin, weil ich ein Haus in Bad Kleinkirchheim besitze – einen Ort, den ich als mein zweites Zuhause betrachte.

Nach der Corona-Pandemie hat sich das Tempo meiner Berichte über Österreich zwangsläufig verlangsamt, aber es ist ein Faden, den ich gerne wieder aufnehmen möchte. Ich würde gerne wieder über Kärnten berichten, mich erneut von der Steiermark inspirieren lassen, die ich zutiefst liebe, die zeitlose Eleganz Wiens wiederentdecken und weiterhin die weniger bekannten Ecken eines Landes erkunden, das noch so viel zu bieten hat.

Das ist schließlich das Schöne an meiner Arbeit: Auch nach vierzehn Jahren verspüre ich noch immer dieselbe Neugier wie am ersten Tag und den Wunsch, neue Brücken zwischen Regionen, Kulturen und Menschen zu schlagen.

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