ENN100 Grafik- & Webdesign

„Das geht nicht, gibt’s nicht“

Anna Nocnik gilt als eine sehr gefragte Allround-Könnerin in Sachen Design. Egal, ob Print, Web, … – Zahlreiche Kund*innen aus unterschiedlichsten Bereichen vertrauen auf ihr Know-How, sowohl im analogen, als auch im digitalen Bereich.

DOLCEVITA.NEWS schätzt sich besonders glücklich, Anna Nocnik dafür gewonnen zu haben, dieses ehrgeizige Projekt exklusiv zu realisieren. Und nutzte auch gleich die Gelegenheit, ihr einiges an Fragen zu stellen, die zweifelsohne für viele Design-Wertschätzer*innen von Interesse sind.

Fotocredit © Carina Kofler Frau Licht Fotografie

Auf einen Aperitivo mit Anna Nocnik

Was macht für dich als Profi perfektes Design – unabhängig von seinem Einsatzbereich – aus?

Ein perfektes Design kann für mich sehr viele Aspekte haben. Als leidenschaftliche Grafikdesignerin achte ich besonders auf die Farbwahl, das Spiel mit Schriften, Formen und Bildern in einem Layout und versuche selbst immer „herauszulesen“, was der Designer sich dabei gedacht hat. Jeder Designer hat seinen eigenen Stil und seine eigene Art und Weise, Designs umzusetzen, und das fasziniert mich so an meinem Beruf und am Grafikdesign im Gesamten. Also, um es auf den Punkt zu bringen: Für mich ist ein perfektes Design ein Design, wo man merkt, hier hat der Designer sein ganzes Herzblut hineingesteckt und es geschafft, Menschen dadurch zu erreichen – nicht nur optisch, sondern auch emotional. Sei es im Grafikdesign oder auch im Produktdesign.

Warum hast du dich schon ziemlich jung dafür entschieden, als selbstständige Designerin tätig zu sein?

Ich bin immer schon eine „Macherin“ im Leben gewesen. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann finde ich Wege, um es auch in die Realität umzusetzen. So war ich auch als kleines Kind schon. Ich konnte nie etwas mit Sätzen wie „Das machen Mädchen nicht“ oder „Das geht nicht“ anfangen. Für mich war immer schon klar, es muss irgendwie gehen. Ich wusste direkt nach meiner Schulausbildung, dass ich mich irgendwann selbstständig machen würde. Nach vielen Jahren als Angestellte wurde dieser Gedanke immer größer. Unter anderem, weil ich sehr gerne mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenarbeite und mich bei meinen Projekten uneingeschränkt kreativ austoben wollte. Im Jänner 2022 wurde mein Traum dann Wirklichkeit und seitdem darf ich jeden Tag meiner Leidenschaft nachgehen.

Fotocredit © ENN100 Grafik- & Webdesign

Welche Projekte reizen dich besonders?

Ich mag die Diversität in meinen Projekten. Ich kann gar nicht sagen, welche Projekte mich mehr reizen. Es sind eher die immer neuen Herausforderungen, die mich reizen. Sei es ein neues Firmenlogo zu kreieren, eine Website zu gestalten oder mich bei unterschiedlichsten Drucksorten austoben zu dürfen. Mir wird mit meiner Arbeit definitiv nie langweilig.

Ist man Profi-Designer anspruchsvoller, was seine eigene Rolle als Kunde / Konsument im Alltag betrifft?

Oh ja, definitiv! Man hat ein ganz anderes Auge auf Dienstleistungen. Ich bevorzuge zum Beispiel Unternehmen, die ihren Drucksorten bzw. ihrem Werbeauftritt genau so viel Aufmerksamkeit schenken wie ihrer Profession. Für mich ist das alles ein großes rundes Gesamtpaket und unterstreicht die Qualität eines Unternehmens. Sei es ein eigens designter Pizzakarton meiner Lieblingspizzeria, das Branding und der Social-Media-Auftritt bei meinem Friseur oder ein edles Verpackungsdesign beim alltäglichen Einkaufen.

,,Es sind die immer neuen Herausforderungen, die mich reizen."

Wann lehnst du potenzielle Kundenaufträge ab?

Das kommt eher selten vor. Aber wenn, dann würde ich sagen, wenn die „Chemie“ zwischen mir und dem Auftraggeber nicht stimmt. Ich finde, nicht nur meine Leistung ist wichtig sondern auch ein gutes Zusammenspiel mit dem Kunden. Es gehört viel Vertrauen und Feinfühligkeit zu meinem Beruf und ich finde, das sollte auf Gegenseitigkeit beruhen. Ich habe die tollsten Kunden, die ich mir jemals hätte wünschen können. Sie machen meine Arbeit nicht zu Arbeit, sondern zu meiner Berufung.

Du bist nicht nur Grafikdesignerin sondern auch Webdesignerin. Was macht für dich eine perfekte Website aus?

Im Webdesign steht die Nutzerfreundlichkeit und die User-Experience im Vordergrund. Ich mag es, wie man durch perfektes Design den Nutzer wie in einer perfekten Geschichte dorthin lotst, wo er sich auch schließlich angekommen fühlt. Jeder Nutzer hat einen bestimmten Grund, warum er eine Website aufsucht. Einige suchen z.B. eine gewisse Information, möchten eine Dienstleistung buchen oder ein bestimmtes Produkt kaufen. Aber eines haben sie alle gemeinsam – Sie möchten gerne so schnell wie möglich ans Ziel ihrer Suche gelangen. Und da komme ich als Webdesignerin ins Spiel. Ich versuche die Website so aufzubauen, dass sie verständlich ist, der Nutzer nur die Infos erhält, die er auch braucht, und lasse dabei zudem auch noch meine Erfahrung als Grafikdesignerin miteinfließen, um der Website das gewisse Etwas zu geben. Wie gesagt, meine Arbeit wird nie langweilig, und das liebe ich auch so sehr daran.

Fotocredit © ENN100 Grafik- & Webdesign

Viele glauben, dass Drucksorten nicht mehr zeitgemäß sind und in unserer digitalen Welt nicht mehr „gebraucht“ werden. Wie siehst du das?

Als Vollblut-Grafikerin würde ich niemals von edlen Drucksorten abraten. Selbstverständlich gibt es Bereiche, wo es Sinn macht, diese zu reduzieren und sich auf digitalen Content zu beschränken. Aber grundsätzlich bin ich ein Riesen-Fan von ästhetischen und durchdachten Drucksorten. Ich meine, wer hatte noch nie eine fein veredelte Visitenkarte (oder auch andere Drucksorte) in der Hand und dachte sich „Wow, die macht echt was her!“? Ich bin mir sicher, ich bin hier nicht der einzige „Monk“, dem das gefällt. In einer Welt, wo wir von Werbung nur so überschüttet werden, machen eben genau diese durchdesignten und herausstechenden Drucksorten den Unterschied aus. Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln würden. Das würde nicht nur den Reklame-Dschungel etwas aufheitern, sondern auch uns Designer und vor allem unsere Druckereien in positiver Hinsicht herausfordern.

Warum kann AI niemals einen Vollblut-Designer ersetzen?

In meinen Augen ist AI nicht der Feind eines Designers, sondern das nützlichste Werkzeug, das die Technik aktuell rausbringen konnte. Ich habe keine Angst, dass AI jemals uns Designer ersetzen wird. Ich denke, in einer Welt, wo es irgendwann Millionen AI-Designs und -Sujets geben wird, wo man auch sofort erkennt, hier steckt AI dahinter, werden die authentischen Designs von echten Grafikern nur noch mehr an Bedeutung gewinnen. Ein Designer hat viel mehr Feingefühl für seinen Kunden, was er und vor allem seine Zielgruppe braucht. Ein AI-Design erfüllt vielleicht kurzfristig seinen Zweck, wird es aber nie schaffen, auch Emotionen so rüberzubringen, wie es ein echter Designer kann.

Es wird meiner Meinung nach noch mehr aufs menschliche „Handwerk“ gesetzt werden. AI kann eine große Hilfe sein, vor allem bei Arbeiten, die früher unnötig viel Zeit in Anspruch genommen haben. Diese gewonnene Zeit kann man dann noch intensiver für besondere Herausforderungen eines Projekts nutzen – quasi eine Win-Win-Situation für Designer und Auftraggeber.

Fotocredit © Carina Kofler Frau Licht Fotografie