Christian Puswald & Felix Kucher

Österreichische Invasion an der Adria

Die italienische Hafenstadt Triest ist, laut „Numbeo“-Index 2026, die Stadt mit der höchsten Lebensqualität in ganz Italien. Rechtsanwalt Christian Puswald und Schriftsteller Felix Kucher über die zugehörigen Gründe.

Immobilien-Verkäufe an Österreicher in Triest boomen.
Man hat fast den Eindruck, als wollten sich diese das ehemalige Monarchie-Gebiet zurückerobern.

Auch wenn der Großteil der dortigen Hausverwaltungen – diplomatisch formuliert – enormes Optimierungs-Potenzial hat und die zugehörigen Amtswege gefühlte Ewigkeiten dauern.
Weder die berühmt-berüchtigte Bora, die mitunter so stark über die Dächer der Stadt pfeift, dass sogar Ziegel runterfallen und zu Boden schmettern, noch die extrem hohen Nebenwohnsitz-Abgaben wirken dabei abschreckend.

Nicht einmal die Tatsache, dass man in der Triestiner Innenstadt jahreszeitenunabhängig deutlich mehr Österreicher als an den klassischen Adria-Destinationen wie Grado antrifft.

DOLCEVITA.NEWS fragte bei zwei Insidern nach, was – trotz all dieser Faktoren – vor allem Kärntner dennoch dermaßen intensiv nach Triest lockt.

Dr. Puswald Rechtsanwalt

Fotocredit © Barbara Essl

Auf einen Aperitivo mit Christian Puswald

Was motiviert, Ihren Beobachtungen nach, Menschen aus Kärnten dazu, Immobilien in Italien zu besitzen?

Italien ist das Land der Sehnsüchte von Menschen aus aller Welt, umso mehr für Menschen aus Kärnten alleine wegen der geografischen Nähe. Dazu kommt, dass die Immobilienpreise für vergleichbare Wohnung und Häuser wesentlich billiger als in Österreich sind. Ob man sie nun selbst nutzt, oder vermietet, sie sind jedenfalls eine gute Geldanlage mit realistischer Aussicht auf wesentliche Wertsteigerungen in der Zukunft.

Worin liegt für Sie persönlich der spezielle Reiz Triests?

Der spezielle Reiz Triests liegt darin, dass man anders als an anderen Orten der Adria ganzjährig eine Stadt findet, in der das Leben ganzjährig „draußen stattfindet“. Die Stadt bietet für jeden etwas, sei er kulturinteressiert mit der Oper, Teatro Verdi, sei er an Kulinarik auf höchstem Niveau interessiert oder sei er einfach nur daran interessiert, das einzigartige Flair einer „großen Stadt“ direkt am Meer zu genießen, Sport ganzjährig im Freien zu treiben, im kristallklaren Wasser zu baden oder stundenlang mit dem Rad die Gegend zu erkunden.

Worauf ist bei einem Immobilen-Kauf vor Ort in juristischer Hinsicht besonders zu achten?

Beim Immobilienkauf ist es ganz wichtig, den richtigen Vertragserrichter zu finden. Die Abwicklung von Kaufverträgen in Italien unterscheidet sich in wenigen, aber wesentlichen Punkten von jener in Österreich. So ist zum Beispiel in Italien die bei uns bekannte „treuhändige Abwicklung“ nicht ausgeprägt. Es empfiehlt sich daher, den Kaufpreis mit einem „Bonifico“ (quasi einem Scheck) direkt bei der Vertragsunterzeichnung dem Notar auszufolgen, der dann nach allseitiger Unterschrift den Scheck übernimmt und dem Verkäufer aushändigt, obwohl es dann bis zur Grundbuchseintragung noch lange dauern kann. Eine Besonderheit in Triest ist, dass viele restaurierte, alte Paläste mit wunderschönen Appartements der Überwachung durch die „Bene Culturali“ unterliegt. Das bedeutet, dass nach Vertragsunterfertigung noch 60 Tage zugewartet werden muss, ob diese staatliche Einrichtung zum Schutz der Denkmäler und des Ortsbildes Einwendungen erhebt.

,,Italien ist das Land der Sehnsüchte, von Menschen aus aller Welt.“

Ist die Rechtssicherheit des italienischen Grundbuchs mit der des österreichischen vergleichbar? Worin liegen die gravierendsten Unterschiede?

Die Rechtssicherheit des italienischen Grundbuches ist mit der des österreichischen vergleichbar. Es gibt keine gravierenden Unterschiede, außer dass es unverhältnismäßig länger dauern kann, bis man im Grundbuch eingetragen wird, als in Österreich. In Italien braucht man für alle rechtlichen Belange sehr viel Geduld und oft – wenn es vor Gericht gehen sollte – einen langen Atem.

Was sollte man rechtlich unbedingt berücksichtigen, wenn man seinen Hauptwohnsitz oder Nebenwohnsitz nach Triest verlegt, aber nach wie vor in Österreich berufstätig ist?

Wenn man seinen Wohnsitz nach Triest verlegt, nach wie vor aber in Österreich berufstätig ist, so hängt dies vom jeweiligen Beruf und vom jeweiligen Sozialversicherer ab. Rechtsanwälte zum Beispiel können in Österreich nur praktizieren, wenn sie in Österreich als Rechtsanwalt eingetragen sind. Ein Tischler zum Beispiel hingegen kann durchaus in Triest eine Firma eröffnen und dann überall in der EU arbeiten, gleich wie mit einem Sitz in Österreich.

Felix Kucher auf Dolcevita News

Fotocredit © Picus Verlag

Auf einen Aperitivo mit Felix Kucher

Warum zieht es, Ihren Beobachtungen nach, vor allem Kärntner in den letzten Jahren derart intensiv nach Triest?

Die (Tages-)Ausflügler: Die Nähe, das Meer, die Kulinarik.
Die Zweitwohnungsbesitzer oder Auswanderer: Leistbare Wohnungen in einer Stadt am Meer mit österreichischer Anmutung, die Nähe zu den Stränden an der oberen Adria, reiches Kulturangebot.
Beide Gruppen: Das k.u.k.- Feeling, Wien am Meer.

Haben Sie den Eindruck, dass die blutigen Ereignisse rund um die Partisanen und Faschisten im Zweiten Weltkrieg, teilweise mit engen Verstrickungen nach Kärnten, spurlos an Triest vorbeigegangen sind?

Überhaupt nicht. Weder die Massaker der kommunistischen Partisanen bei den Foibe noch die Umsiedlung der tausenden italienischen Istrianer, noch die Unterdrückung des Slawischen durch die Faschisten sind in Triest vergessen. Dafür sorgen einerseits politische Parteien wie die neofaschistischen Fratelli d’Italia, andererseits Vereine, die die Erinnerung an diese Ereignisse hochhalten.

Inwieweit ist die Mentalität der Triestiner Bevölkerung mit jener der Kärntner vergleichbar?

Kaum. Ähnlich wie andere Mittel- und Großstädte ist Triest durch jahrhundertelange Zuwanderung geprägt. Es gibt einen historischen Mix an Kulturen, so existiert z.B. neben einer slowenischen, kroatischen und serbischen z.B. auch eine große griechische Community. Diese Kulturen haben sich jahrhundertelang gegenseitig beeinflusst, teilweise bekämpft, aber noch viel mehr voneinander profitiert. Triest in eine offene Stadt, sowohl geografisch zum Meer hin als auch weltanschaulich.
Das inneralpine Kärnten hingegen ist eher verschlossen – geografisch wie weltanschaulich. Kärnten ist auch in den Städten ländlich geprägt; Urbanität oder Weltläufigkeit findet man in Klagenfurt oder Villach nur in Spuren.

Was an der Gegend rund um Triest ist speziell für Schriftsteller immer wieder besonders reizvoll?

Das Zusammentreffen und das Ineinander von romanischer, slawischer und germanischer Kultur. Das Wissen um die multikulturelle Tradition. Triest ist die Stadt von James Joyce und Italo Svevo, in der Gegenwart von Claudio Magris oder Veit Heinichen.