Monika Kanatschnig

Tiefe statt Dopamin

Monika Kanatschnig ist nicht nur Psychologin, sondern vor allem auch Coach mit einer klar definierten Mission: Menschen mit Führungsverantwortung beim Finden von deren Fokus zu unterstützen.

Monika Kanatschnig coacht tagtäglich Menschen, die in ihrem Job besonders viel Verantwortung haben.

Führungskräfte aus unterschiedlichsten Branchen schätzen ihre mitunter unkonventionellen,  aber stets höchsteffizienten Coaching-Methoden.

DOLCEVITA.NEWS bekam exklusive Einblicke in ihre zugehörige Philosophie.

Auf einen Aperitivo mit Monika Kanatschnig

Wenn Begriffe wie „Work-Life-Balance“ den Alltag dominieren, sinkt dann automatisch auch die Leistungsbereitschaft vieler Menschen?

Ganz im Gegenteil. Ich beobachte, dass Menschen mit echter Balance deutlich leistungsfähiger sind. Der Begriff wird nur oft missverstanden – es geht nicht um weniger Leistung, sondern um nachhaltige Leistungsfähigkeit. Wer konstant am Limit arbeitet, brennt aus. Wer Erholungsphasen einplant, bleibt langfristig engagiert und kreativ. Die Frage ist nicht „Leistung oder Balance“, sondern: Wie schaffe ich beides auf eine Weise, die mich nicht zerstört? Allerdings sinkt die Leistungsbereitschaft dort, wo „Balance“ mit Schonung verwechselt wird. Menschen, die wissen wofür sie Leistung bringen, brauchen keine ständige Balance-Diskussion – sie regulieren sich selbst. Was sie allerdings dazu brauchen, ist gute Führung.

Monika Kanatschnig Coaching bei Dolce Vita News

Fotocredit © Christian Winkler

Fotocredit © Christian Winkler

Schließen „Dolce Vita“ und „Top im Job“ einander aus?

Im Gegenteil. Wer Genussfähigkeit hat, ist oft entscheidungsstärker, fokussierter und resilienter. „Dolce Vita“ heißt nicht Bequemlichkeit, sondern bewusste Lebensqualität. Spitzenleistung braucht Pausen, Perspektivwechsel und Freude – nicht als Belohnung am Ende, sondern als Ressource mitten im Tun. Wer nie genießt, zahlt später einen hohen Preis.

In welchen Branchen wird überdurchschnittliches Engagement heutzutage am meisten wertgeschätzt?

Dort, wo Verantwortung nicht delegierbar ist: in Führung, Unternehmertum, Transformation, Vertrieb, Gesundheit und überall, wo Menschen mit Menschen arbeiten. In diesen Feldern zählt nicht Dienst nach Vorschrift, sondern Haltung, Initiative und innere Klarheit. Engagement wird besonders dort wertgeschätzt, wo Ergebnisse nicht standardisiert erzwingbar sind.

Wie könnte das Bildungssystem dazu beitragen, potenziellen Dienstgebern noch bessere Mitarbeiter*innen zu liefern?

Weniger Wissensabfrage, mehr Selbstverantwortung. Junge Menschen müssten früher lernen, Entscheidungen zu treffen, Feedback auszuhalten, Konflikte zu führen und mit Unsicherheit umzugehen. Fachkompetenz ist wichtig – aber Persönlichkeitskompetenz entscheidet. Das Bildungssystem sollte nicht nur auf Prüfungen vorbereiten, sondern auf Realität.

,,Ich glaube nicht an Coaching, bei dem zwei Menschen sich eine Stunde gegenübersitzen und nur reden. Echter Durchbruch passiert, wenn wir aus dem Kopf ins Handeln kommen."

Welche besonderen Methoden machen Ihre Coachings einzigartig? Welche besonderen Methoden machen Ihre Coachings einzigartig?

Ich glaube nicht an Coaching, bei dem zwei Menschen sich eine Stunde gegenübersitzen und nur reden. Echter Durchbruch passiert, wenn wir aus dem Kopf ins Handeln kommen. Deshalb arbeite ich mit Methoden, die alle Sinne ansprechen und oft überraschende Erkenntnisse freisetzen.

Manchmal stehen wir gemeinsam an meiner Hobelbank – mit den Händen arbeiten, Holz spüren, etwas formen. In dieser konzentrierten Tätigkeit kommen Gedanken hoch, die im klassischen Gesprächssetting nie auftauchen würden. Oder ich nutze das Systembrett: Sie stellen Ihre berufliche oder private Situation mit Figuren dar – plötzlich sehen Sie Muster und Dynamiken, die vorher unsichtbar waren.

Kunstobjekte sind ein weiteres kraftvolles Werkzeug: Sie wählen intuitiv ein Objekt, das für Ihre aktuelle Situation steht. Allein dieser Prozess – welches Objekt zieht Sie an? – offenbart oft mehr als tausend Worte. Und zwischen unseren Sessions bekommen Sie konkrete Alltagsexperimente – kleine, gezielte Veränderungen, die wir dann gemeinsam auswerten.

Und noch etwas unterscheidet mich: Ich konfrontiere Sie mit Ihren eigenen Widersprüchen – liebevoll, aber direkt. Viele Coaches sind zu nett. Ich bin Ihr Sparringspartner, nicht Ihr Cheerleader. Ich sage Ihnen, was Sie hören müssen, nicht was Sie hören wollen. Denn echtes Wachstum beginnt genau dort, wo es unbequem wird.

Das Ergebnis? Keine theoretischen Erkenntnisse, die nach zwei Wochen verpuffen, sondern körperlich verankerte, nachhaltige Veränderungen, die in Ihrem echten Leben funktionieren.

Monika Kanatschnig Coaching bei Dolce Vita News

Fotocredit © Christian Winkler

Was bringen einem analoge individuelle Einzel-Coachings im Vergleich zu den vielen selbsternannten Social-Media-Gurus?

Tiefe statt Dopamin. Social Media liefert schnelle Impulse, aber keine nachhaltige Veränderung. Der fundamentale Unterschied: Ich sehe Sie als ganzen Menschen, nicht als Teil einer Masse. Online-Gurus verkaufen One-Size-Fits-All-Lösungen an Tausende. Im Einzelcoaching entwickeln wir gemeinsam Ihre persönliche Lösung. Ich stelle die unbequemen Fragen, die Sie sich selbst nicht stellen. Ich spiegle blinde Flecken. Und vor allem: Ich bleibe dran. Echte Veränderung braucht Begleitung, nicht nur Motivationssprüche auf Instagram.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Genuss im Alltag?

Genuss ist für mich nicht Luxus, sondern Lebensqualität. Ein gutes Essen, ein Moment der Stille, ein Gespräch mit Tiefgang – das sind für mich keine Ablenkungen von der Arbeit, sondern das, wofür ich arbeite. Ich bin überzeugt: Wer den Alltag genießen kann, arbeitet nicht nur für ein fernes Ziel, sondern lebt bereits jetzt. Und Menschen, die ihren Alltag genießen, sind die besseren Coaches, Führungskräfte und Kollegen.